Naturnahe Gartengestaltung

Ich schütze nur, was ich liebe. Ich liebe nur was ich kenne. Ich kenne nur, was ich wahrnehme. Ich nehme nur wahr, was für mich eine Bedeutung hat, …und diese Bedeutung vermitteln Erwachsene den Kindern.“

( Dr. Raingard Knauer / Petra Brandt )

Kinder sind in unserem Garten die Hauptpersonen. Jeder Winkel, auch der verborgenste, kann genutzt werden: Zum Spielen, Verstecken, Erkunden, zum Träumen, zum Staunen, zum Beobachten oder Experimentieren. So wie wir im Haus die Umgebung vorbereiten, damit unsere Kinder selbstständig Erfahrungen machen können, um sich zunehmend eigenverantwortlich verhalten zu können, so tun wir es auch mit der Freifläche unseres Kinderhauses. Bereits im Kleinkind  – und Kindergartenalter wird die Einstellung zur Natur geprägt. Deshalb besteht unser Anliegen, passend zur Montessoripädagogik darin:

  • Die Kinder zur Liebe zur Natur, zur Achtung ihrer Umwelt zu erziehen.
  • Eine ganzheitliche Naturbegegnung durch spielerisches Naturentdecken zu ermöglichen.
  • Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung der Kinder in naturnaher Umgebung zu schaffen.

Mit der ständigen Weiterentwicklung unseres pädagogischen Konzeptes verändern wir auch gemeinsam mit den Kindern unsere Außenanlagen. Dabei sind sie von keiner Arbeit ausgeschlossen. Sie haben bei jedem Wetter die Möglichkeit im Freien zu spielen. Es gibt kein schlechtes Wetter. Es gibt nur die falsche Bekleidung. Jedes Kind hat in unserm Haus “Gartensachen“ die schmutzig, aber auch mal nass werden können. In jeder Jahreszeit können wir beobachten wie intensiv und ausdauernd sich die Kinder beschäftigen. Dabei trifft man nie eine ganze Gruppe an. Jedes Kind kann mitarbeiten, hat aber auch das Recht wieder spielen zu gehen. Wir wissen, dass Kinder aus Freude an der Tätigkeit helfen und das Ziel für sie nicht so wichtig ist, wie für einen Erwachsenen. Deshalb trifft auch hier zu: Unsere Kinder haben viel Zeit. So bleibt ihnen die Freude an der Gartenarbeit, die sich entsprechend der Jahreszeit verändert, erhalten. Das Vorbild der Erwachsenen spielt dabei eine große Rolle. So wie wir bemerken wann gekehrt, Unkraut gejätet, Blumen gegossen oder der Sinnespfad in Ordnung gebracht werden muss, lernen es die Kinder von uns. Durch die gemeinsame Gestaltung, Pflege und somit Erhalt des Geschaffenen, haben unsere Kinder die Möglichkeit, Wachstumsprozesse wahrzunehmen, die Natur als etwas Lebendiges zu begreifen.

Wenn Sonnenblumenkerne schon im zeitigen Frühjahr in der Hand gefühlt, dem Keimen und später dem Wachsen im Zimmer zugesehen werden kann, um dann bis zum Herbst im Garten an einer Messlatte zu beobachten, wie groß die Blume wird, entwickeln unsere Kinder persönlich bedeutsame Beziehungen zu Pflanzen, zur Natur überhaupt. Die Sonnenblume, ein Muss für unser Kinderhaus, spiegelt nur einen winzigen Teil unseres naturnahen Konzeptes wieder.

Wir haben gemeinsam mit den Eltern für unsere Einrichtung folgendes entschieden: Die herkömmliche Freiflächengestaltung, auch wenn sie noch so verlockend und bunt schillernd angeboten wird, verordnet den Kindern das Spiel. Sie können an fest stehenden Bewegungsspielgeräten, die sie auch in unserem Garten finden, vorhersehbare Bewegungen wiederholen. Weitergehende ganzkörperliche Sinneserfahrungen ermöglichen wir ihnen deshalb mit dem Aufbau einer flexiblen Bewegungslandschaft, die sich täglich verändert, durch vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Im Garten unserer zwei Kinderhäuser treffen sich täglich Kinder mit einem Altersunterschied bis zu acht Jahren. Wir legen großen Wert darauf, dass alle Kinder sich  frei bewegen können. Es soll keine Einschränkungen und Abgrenzungen für eine Altersgruppe geben. Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen sind wichtige Erziehungsziele, die unseren Alltag bestimmen. Das heißt: Jedes Kind, gleich welchen Alters wird in seiner Individualität geachtet.

Die naturnahe Gartengestaltung hat für unsere Kinder einen sehr hohen Spielwert. Riesensandspielfläche, einfache Holzhäuser (die kein Spielthema vorgeben), Sinnespfad, kleines Tannenwäldchen, Weidenhütte, Heckenwohnung, Wasserstelle, Kräuterbeet, das Ausnutzen der vielen natürlichen Gegebenheiten unseres Gartens für Bewegungserfahrungen, ermöglichen unsern Kindern Spiele, wie sie viele Erwachsene aus ihrer Kindheit kennen. Das entsprechende Zusatzmaterial gibt den Kindern viele Spielimpulse. Holzklötze, Steine, Rohre, Wurzeln, leicht verstellbare Stühle, Decken und Tücher lassen die Kinder ihre Spielideen selbstständig umsetzen. Reifen, Stelzen, Fußballtor, Tischtennis, und Federball, Straßenmalkreide, Tafeln,  Seile und Pferdehalfter regen die Kinder zu ausgiebigem Spiel und Bewegung an frischer Luft an.

Damit ein intensives Spiel entstehen kann, brauchen Kinder Zeit. Spazieren gehen wir nur mit einem bestimmten Ziel. Dann begleiten zwei Erzieherinnen die Kinder. Es geht niemals eine altersgemischte Gruppe zusammen. Entwicklungsstand und Belastbarkeit der Kinder sind dann zu verschieden. Wanderungen in den Wald oder auf Wiesen werden regelmäßig altersentsprechend geplant. Trotzdem freuen sich alle unsere Großen, wenn es anschließend heißt: “Wir gehen in den Garten”. Besonders nach dem anstrengenden Schultag finden sie dort Erholung und Entspannung, jedes Kind nach seinem Bedürfnis.

„Umweltpädagogik muss auf der Ebene beginnen, auf der Kinder, Jugendliche ( und Erwachsene ) die Natur direkt wahrnehmen. Ein kognitives Interesse, das sich auch in ökologisch erwünschtem Handeln niederschlägt, kann sich erst entwickeln, wenn Natur zunächst wahrgenommen und sodann eine positive emotionale Beziehung zu ihr hergestellt werden konnte.“

( Dr. Raingard Knauer / Petra Brandt )

(Auszug aus unserer aktuellen pädagogischen Konzeption)